Nachts Im Museum

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Es war schon toll, wie sie da saßen, alle in einer Reihe. Odély Teboul von Augustin Teboul, Designerin Julia Heuse und Designer for Tomorrow-Gewinner Leandro Cano nebst Kollegen ließen es sich nicht nehmen, bei der Presseveranstaltung zur Ausstellung „Draußen im Dunkel. Weitermachen nach der Mode “ im Frankfurter Museum Angewandte Kunst Rede und Antwort zu stehen. Wobei die Antworten bei der offiziellen Pressekonferenz recht spärlich ausfielen. Ein bisschen zu abstrakt war dafür das Ausstellungsthema, für das die Designer eigene Stücke entweder extra anfertigten oder kreativ verpackt inszenierten.

Mit der Ausstellung „Draußen im Dunkel“ versucht sich das Museum ab heute an der Beantwortung der Frage:  WAS IST MODE JETZT? Gezeigt werden Werke von Labels, die versuchen, sich trotz zunehmender Kommerzialisierung ihrer kreativen Linie treu zu bleiben; nebst obig Erwähnten übrigens unter anderem auch von Garland Coo, Barbara í Gongini, Maison Martin Margiela, Alexander McQueen und Yohji Yamamoto for Y-3.

Ausstellung

Picture courtesy of Museum Angewandte Kunst

Besucher werden sich laut Pressetext „in einer vielschichtigen, multimedialen Installation verlaufen,  erspüren und wiederfinden und letztlich (…) auch erahnen,  dass es keine greifbare Antwort auf die eingangs gestellte Frage geben kann.  Denn Mode ist sehr viel mehr als bloß ein bestimmter Schnitt,  eine Farbe oder eine gewisse Rocklänge,  die sich in Hochglanzmagazinen als Must-Haves der kommenden Saison abbilden lassen.“

Hm. Das einzige, was ich dazu beitragen kann, ist der Einwand, dass ich mit Mode keineswegs etwas Dunkles, Schattenseitiges oder Melancholisches verbinde.  Vielmehr erfasst mich eher ein außerordentlicher Endorphinschwall, wenn ich geliebte neue (und alte) Kleidungsstücke anprobier. Aber das ist damit wohl auch nicht gemeint.

Während Cano & Co auf der Pressekonferenz also auch eher dankbar den Erläuterungen des Museumsdirektors und der Kuratorin den Vorzug gaben, tauten sie umso mehr auf, als es in die tatsächlichen Ausstellungsräume ging. Und diese sind definitiv einen Besuch wert.

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Leandro Cano – Draußen im Dunkel. Weitermachen nach der Mode


Auf großräumiger Fläche erhielt jeder der Designer eine eigene „Insel“, auf der er seine Interpretationen der schöpferischen Melancholie zum Ausdruck bringen konnte. Ein Highlight ist die Box mit (teilweise) Archivbeständen aus den neunziger Jahren von Maison Martin Margiela.

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Maison Martin Margiela – Draußen im Dunkel. Weitermachen nach der Mode

Inspirationswand der Berliner Designerin Julia Heuse. Die Kuratorin hierzu: „Wir wollen nicht nur fertige Kleidungsstücke zeigen, sondern auch das, was passiert, bevor es zu diesen kommt.“

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Julia Heuse – Draußen im Dunkel. Weitermachen nach der Mode

Interessant war zudem ein Video über Kultdesigner Yohji Yamamoto, in dem er erläutert, wieso er für das Projekt Y-3 trotz antikommerzieller Fashionhaltung eine Kooperation mit dem Sportgiganten Adidas eingegangen ist.  Ein grob wiedergegebenes Zitat aus dem Film: „Ich wollte, dass Leute meine Mode tagtäglich auf der Straße tragen. Sie haben sie hingegen lieber in ihren Schränken aufbewahrt und gesammelt. Dafür sind mir aber die berühmten drei Streifen auf der Straße tagtäglich ins Auge gesprungen. Also habe ich bei Adidas angerufen und gefragt, ob sie sich mit mir eine Kooperation vorstellen könnten.“  Classic.

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Alexander McQueen-Modelle –  Draußen im Dunkel. Weitermachen nach der Mode


Auch Rodarte (!) steuerten etwas bei, allerdings nichts anzuziehen, sondern die eigens kuratierte Ausgabe des  „A Magazines“.

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Rodarte for A Magazine – Draußen im Dunkel. Weitermachen nach der Mode


Beeindruckend : die Installationen von Augustin Teboul, an denen man vor allem sehen konnte, wie detailgenau und aufwendig jedes einzelne ihrer – handgefertigten – Kleidungsstücke tatsächlich ist.

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Augustin Teboul – Draußen im Dunkel. Weitermachen nach der Mode

Sicherlich einer der Gründe, weshalb ich mir die eine Hälfte des Label-Duos, Odély Teboul, auch gleichmal zum guten Gespräch griff. „Den zeitlichen Aufwand für das ausgestellte Kleid kann ich gar nicht genau angeben“, erzählt sie . „Ich weiß nur, dass wir bislang fünf der Kleider auf Kundenbestellung fertigten und das hat wirklich ziemlich lange gedauert.“ (Zu kaufen gibt es das Kleid übrigens in einigen Läden in Paris und kostet zwischen 3.000 – 4.000 EUR, falls jemand Interesse hat). Für die Installation kombinierte Augustin Teboul Hosen aus früheren Kollektionen zu aktuellen Keypieces – natürlich in der Signature-Farbe (und passend zum Motto) Schwarz. „Damit wollen wir zeigen, wie zeitlos unsere Mode ist – wir folgen keinen kommerziellen Trends, alle Kleidungsstücke aus unseren jeweiligen Kollektionen lassen sich so wunderbar miteinander kombinieren.“

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Odély Teboul vor einer der eigenen Installationen

Die Ausstellung „Draußen im Dunkel. Weitermachen nach der Mode“ läuft vom 13. Juni 2013 bis 15. September 2013 im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt: http://www.museumangewandtekunst.de/


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